Leichtfüßig unterwegs: wie spart man beim Gepäck

Veröffentlicht admin 14.03.2015 0 Kommentar Artikel,

Wie viele Gegenstände braucht man für eine komfortable, sichere Wanderung? Solange sich die Normalreisenden den Kopf zerbrechen, können die Ultraleicht-Backpacker nur schmunzeln. Denn jeder welterfahrene Trekker stellt sich die Frage ganz anders: wie wenige Dinge sind auf einer Tour echt lebenswichtig? Und daher – auf welchen Kram kann ich locker verzichten und ihn durch andere Ausrüstungsgegenstände ersetzen? Thematische Foren und einzelne Artikel bieten sich heute in rauen Mengen. Und je mehr man davon liest, desto grössere Lust bekommt, die vielbesprochenen Methoden selbst auszuprobieren. Zum Glück der Wanderer, gibt es in der Leicht-Trekking Geschichte viele nachahmenswerte Beispiele.

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Eine der berühmtesten Ultraleichtwandern-Entdecker ist sicher die brave Amerikanerin Emma Gatewood, die liebevoll einfach „Grandma“ genannt wird. 1955 hatte sie eine Strecke von 3500 km zurückgelegt – und das mit einem einfachen Sack und leichten Tennisschuhen. Ihr ganzes Rückengepäck wog viel weniger, als traditionelle für solche Trails Ausrüstung. Doch obwohl ihre Wanderung für Resonanz sorgte, verbreitete sich die UL-Trekking Philosophie erst Mitte der 90er Jahre massenhaft. Als das „PCT Hiker’s Handbook” von Ray Jardine 1992 erschien, gab es UL-Wanderern einen neuen Aufschwung und begeisterte sie, eigene Erfahrungen und Experimente zu machen. In seinem Buch beschrieb der prominente amerikanische Hochtourist und Bergführer wirkende Neuerermethoden der Backpack-Gewichtsreduktion sowie zeigte, wie man notwendige Ausrüstung selbst herstellen kann. Seit jener Zeit bis heute vermittelt der Guru des Bergsteigens seine Geheimnisse gerne auf eigener Webseite www.rayjardine.com, wo man unter anderem zu seinen Buch-Bestsellers und Bauanleitungen greifen kann.

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Heutzutage, seit mehr als 20 Jahren, bleibt die Idee des UL-Wanderns ein Dauerbrenner unter den Trekkingbegeisterten. Wer ein Vokämpfer des UL-Trekkings auch werden möchte, der soll sich zuerst mit seinen Grundlagen vertraut machen.

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Unbeschwert loslaufen: was steht dahinter?

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Abgeschnittene Schildchen von den Hosen, abgekneifte Zahnbürsten und bestialischer Gestank – so stellen sich die Neueinsteiger das Ultraleichtwandern oftmals vor. Muss es aber wirklich so rigoristisch sein? Was soll man tun, um die goldene Mitte zwischen der Gewichtsreduktion und Sicherheit zu finden, ohne Beeinträchtigung des Komforts? Die folgenden Grundlagen des UL-Trekkings lassen die Kunst des erleichterten Wanderns Schritt um Schritt meistern:

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    Den Reiseplan von langer Hand vorbereiten, die Zeitrahmen der Tour bestimmen und die Gegebenheiten des Geländes überprüfen. In welcher Jahreszeit und unter welchen möglichen Witterungsbedingungen wird die Reise stattfinden? Welche Ausrüstung ist dafür essentiell? Manche Leute glauben, ohne Bettwäsche, Rasierzeug und Deodorant kann man auch ein paar Tage kaum existieren. Fragen Sie sich im Einzelfall: werde ich ernsthafte Probleme haben, wenn ich dieses Ding nicht mitnehme? Nicht zu vergessen ist auch der Proviant, den man auch reisegemäß berechnen soll.

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    Multifunktionelle Ausrüstung bevorzugen. Ein Multitool ist doch viel dienlicher, als ein Klappmesser, ein grosses Kopftuch ersetzt die Sonnenbrille und ein Handtuch fürs Gesicht – dies begreift sich schon von selber. Wie wäre es aber mit einem Poncho-Tarp statt eines Zeltes oder einem Top-Bag statt eines üblichen Schlafsacks? Haben Sie von solchen Erfindungen der UL-Insider noch keine Ahnung? Dann ist es gerade die Zeit, die Welt der UL-Innovationen zu entdecken und Ihre Komfortzone zu erweitern!

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    Akribisches Wiegen jedes Ausrüstungsgegenstandes auf einer Küchenwaage. Machen Sie sich eine unterteilte Tabelle mit den Bereichen „Zelt, Kochen, Kleidung usw“ und tragen das Gewicht jedes einzelnen Dings darin. So werden Sie sich den Begriff davon bilden, was die „Schwergewichtler“ in Ihrem Gepäck sind und welchen Nutzwert diese Equipierung Ihnen leisten kann. Und danach aufs neue die Tabelle anschauen und sich die Fragen über die Unersetzlichkeit jedes Dings nochmals stellen.

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    Nutzbarkeit und Robustheit prüfen. Sieht Ihre Ausrüstung genug zuverlässig aus, um Sie vor den ungeahnten Launen des Wetters zu schützen? Was ist die Komfort- und Grenztemperatur Ihres Schlafsacks? Eine kleine Wanderung am Wochenende braucht sicher nicht so skrupulöse Vorbereitung. Aber wenn die Tour wochenlang dauern wird, dann besser zweimal prüfen als einmal um Hilfe rufen.

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    Die Lücken ausfüllen heisst gar nicht, den Rucksack bis obenhin zu stopfen. Das sind die Wissenslücke, die Sie plötzlich entdecken können, wenn Sie sich die Zeit für Foren und Blogs der (Ultra)-leicht Wanderer nehmen. Die öffnen unendliche Möglichkeiten, eigene Ausrüstung zu optimieren oder eigenhändig zu machen (das Zweite wird MYOG genannt – make your own gear). Austausch kostet nichts, bringt doch immer Gewinn.

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Das Gewicht der Ausrüstung gibt der Wanderung den Takt vor. Hat man alles Nötige mit, dann kann man die Freiheit richtig geniessen und längere Strecken zurücklegen. Doch ein schwerer Rucksack allein garantiert den Erfolg gar nicht. Im Gegenteil, führt die Überbelastung auf dem Buckel nur dazu, dass die ganze Reise eher als Quälerei zwischen den Campstellen vorkommt. Und den ganzen Tag, statt ein malerisches Abenteuer zu erleben, träumt man entmutigt davon, dass die Bergeslast von Schultern endlich fällt. Es gibt aber eine einfache Lösung…

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Gewicht einsparen und befreit loslaufen!

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Ruhig Blut, liebe fußreisende Naturfreunde. Es handelt sich nicht um wahnsinniges Weglassen und Lebensdauerversuch unterwegs. Natürlich wäre der spartanische Verzicht auf „Vorteile der Zivilisation“ der schnellste Weg für die Gewichtsreduktion… Moment mal! Welches Gewicht wird hier eigentlich gemeint? Es gibt drei häufig verwendete Begriffe für die Last am Rücken. Haben Sie davon noch nicht gehört? Das sind Basis-, Rucksack- und Gesamntgewicht.

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Also, der Rucksack mit allen Gegenständen darin ohne Brennstoffen, Lebensmittel, Wasser und andere Verbrauchsmaterialien macht das Basisgewicht aus. Wenn diese Kennzahl von 10 bis 5 Kilo ist, dann gilt das Basisgewicht als „leicht“. Wiegt der Rucksack zwischen 5–2,5 Kilo, kann man sich „Ultraleicht-Trekker“ mit vollem Recht nennen. Und schließlich, jene Wanderer, die den Gipfel der Gewichtsreduktion erklettert haben und weniger als 2,5 Kilo auf dem Buckel tragen, landen in die Gruppe „super-ultraleicht“. Diese UL-Freaks sind die wahren Grammjäger und hören nie auf, ihren Kram zu optimieren. Mit solcher Besessenheit kommt es machchmal dazu, dass man eine monatelang geplante Wanderung weniger als eine Woche aushalten kann. Selbstverständlich eignet sich dieser „Super-ultraleicht“-Fanatismus für eine tagelange Tour im Winter ganz und gar nicht.

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Außer dem Basisgewicht gibt es auch so die gennanten Rucksack- und Gesamtgewicht. Das Erste schließt sowohl den Inhalt des Rucksacks als auch die Verbrauchsmaterialien ein. Nun wäre die Klassifikation zu Ende, wenn amerikanische Fußreisende die am Körper getragene Ausrüstung, Schuhe und Kleidung dazu nicht addiert hätten. Hierdurch haben wir endlich den Begriff von dem Gesamtgewicht bekommen.

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Wie auch man den Kramm für eine Reise wiegen mag, hat man jedenfalls „die drei tragenden Säulen“: das Zelt, den Rucksack und das Schlafsystem (Isomatte und Schlafsack). Sonach, spart man das Gewicht jeden von diesen drei Riesen vernünftig ein, kann man leichtfüßiger mehrere Kilometer laufen. Deshalb entwerfen wir eine flüchtige Skizze dafür.

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    Bei dem Zelt bietet sich ein großes Einsparpotential. Die erste Wahl sind Ultraleichtzelte von 1 bis 2 Kilo, die aus dünnen aber robusten Materialien hergestellt werden. Ein gutes und leichtes Dach über dem Kopf bekommen den Trekkern auch mit einem Tarp oder Tarptent. Solch eine Nachtbehausung für zwei Personen wiegt höchstmöglich ein Pfund und lässt sich mittels der Abspannschnüren und Trekkingstöcke sehr einfach aufbauen. Aber Vorsicht: ein Tarp eignet sich bestens für milde Wetterbedingungen und nicht sehr angriffslüsterne Tierwelt der Gegend.

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    Was den Rucksack betrifft, da hat man ein riesiges Angebot der (Ultra)-leicht Varianten. Leuchtende Beispiele der UL-Backpacks findet man bei solchen prominenten Herstellern wie GoLite, GossamerGear, Deuter und anderen. Ein der Bestsellers davon, der Murmur Hyperlight wiegt mit allen Zuberhörteilen nur circa 350 g, bleibt damit sehr handlich und komfortabel. Doch hier gibt es auch ein großes Aber. Wer sich für solch einen Rucksack entscheidet, muss die maximale Tragekapazität im Auge behalten. Denn UL-Rucksäcke werden von einer 20-Kilo Belastung gar nicht hell begeistert sein.

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    Die outdoor Schlafausrüstung ermöglicht die Gewichtsreduktion durch verschiedene Ersatzvarianten. Die erste davon ist eine 3/4 Schlafunterlage anstatt einer üblich langen Isomatte. Hierbei nutzt man beispielsweise eine Fleecejacke als Kissen und platziert den Rucksack unter den Füßen. Für höheren Komfort in der Nacht bieten sich leichtwiegende Daunenschlafsäcke „traditioneller“ Bauart oder einfach Top-Bags und Quilts. Unfraglich mehr Sinn macht ein UL-Schlafsystem in der Warmzeit, obwohl in den kalten Monaten auch verwendet sein kann.

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Ein besonderes Thema ist die outdoor Küche und die Reiseverpflegung. Hier kann man alles wählen, was das Herz und den Magen begehrt. Leichte Titan Kochtöpfe, Tassen und klappbare Löffel stehen den Touristen zur Verfügung. Damit hat ein UL-Trekker im Gedächtnis, dass eine leichtfüßige Wanderung und eine Catering-Veranstaltung durchaus verschiedene Begriffe sind. Deswegen landet in den Rucksack nur jenes Geschirr, das reale Bedürfnisse unterwegs abdeckt.

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Den Rucksack (ultra)leicht zu packen braucht viel Geschicklichkeit und Erfahrung. Nach jeder Tour soll man prüfen, welche Gegenstände zum Einsatz kamen und essentiell waren (oder sein könnten, wie z.B. Medikamente). Immer findet man weitere Möglichkeiten für die Optimierung der Ausrüstung und die Gewichtsreduktion. Vergessen Sie aber nicht: ein leichter Sack auf dem Buckel muss die Wanderfreude nicht trüben. Die UL-Ausrüstung ist nur Mittel einer Reise und kein Endziel. Wenn man in das Rucksackgewicht fanatisch verbeisst, bemerkt man wichtigere Dinge oftmals nicht und kann auch in Gefahr kommen. Besonders stimmt es für Neueinsteiger, die ihre Fähigkeiten häufig überschätzen. Und letztlich spielt die entscheidende Rolle nur das, was man nicht im Rucksack, sondern im Kopfe trägt. Nehmen Sie diese Hauptidee zu Herzen und dann werden Sie unterwegs mehr Freude erleben.

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